Verkehrsforum BGL & RW: Wiedererrichtung Bahnhof Bayerisch Gmain - Infostand am 22.09. ab 16Uhr...

22. September 2020, 12:00 Uhr von Richard Fuchs

Bayerisch Gmain hatte früher einen Bahnhof mit Ausweichgleis in dem Züge kreuzen und wenden konnten. Der derzeitige Bahnsteig ist nicht barrierefrei. Es braucht einen Mittelbahnsteig eines zweigleisigen Bahnhofs Bayerisch Gmain.

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Text Dr. Karl Bösenecker 1. Vorsitzender Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel.e.V.

Bayerisch Gmain hatte früher einen Bahnhof, also eine Bahnstation mit Ausweichgleis, in dem Züge kreuzen und wenden konnten. Im Sommer 1988 wurde der Bahnhof zu einem bloßen Haltepunkt (Hp) zurückgebaut. Seither besteht auf der eingleisigen Strecke zwischen Bad Reichenhall Hauptbahnhof und Hallthurm, somit auf 7,4 km überwiegender Steilstrecke, keine Kreuzungsmöglichkeit mehr.

Visualisierung des Bahnsteiges Bahnhof Bayerisch Gmain

Der Bahnsteig im Haltepunkt Bayerisch Gmain ist nicht barrierefrei und befindet sich in einem schlechten Zustand, für ältere und behinderte Fahrgäste ist das Ein- und Aussteigen eine gefährliche Zumutung, für manche sogar völlig unmöglich.

Nunmehr soll dieser Bahnsteig erneuert und barrierefrei gestaltet werden. Diese Maßnahme ist grundsätzlich zu begrüßen, stellt allerdings nur eine „halbe Sache“ dar. Eine vorausschauende Planung würde unbedingt gebieten, die erforderliche Bahnsteigerneuerung und die ebenfalls bevorstehende Fernsteuerung der Bahnstrecke Freilassing – Berchtesgaden von einem elektronischen Stellwerk in Freilassing dazu zu nutzen, den Hp Bayerisch Gmain wieder zu einem Bahnhof auszubauen.

Bereits 1997 fehlte das zweite Gleis, als der Zweisystem-Triebwagen 1004 der Saarbahn in Bayerisch Gmain war!

Bayerisch Gmain ist zwar eine eigene Gemeinde, gehört aber wirtschaftlich zum Staatsbad Bad Reichenhall. Aus diesem Grund ist es geboten, ehestmöglich als eine erste Fahrplanverbesserungsmaßnahme die derzeit im Bahnhof Bad Reichenhall endende S-Bahn-Linie S 3 bis Bayerisch Gmain zu verlängern, wie dies auch im kürzlich vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) veröffentlichten Dritten Gutachterentwurf Bayern für einen Zielfahrplan Deutschlandtakt vorgesehen ist. Bereits dies würde betrieblich erfordern, dass Bayerisch Gmain wieder Bahnhof wäre.

Attraktivierung des Nahverkehrs als S-Bahn Salzburg – Bad Reichenhall – Berchtesgaden

1997 zur Erweiterung des Salzburger Verkehrsverbundes auf das Berchtesgadener Land fuhr, zu Testzwecken, ein Regionalstadtbahn-Zweisystem-Triebwagen der Saarbahn TW 1004 auf der Berchtesgadener Land Bahn.

Da nur mit einer deutlichen Attraktivierung des öffentlichen Nahverkehrs, insbesondere des elektrisch betriebenen Schienenverkehrs, die Klimaschutzziele erreicht werden können, ist als nächstes Ziel ein durchgehender 30-Minuten-Takt auf der gesamten Bahnstrecke Freilassing – Berchtesgaden anzustreben. Dies wird auch in der derzeit in Ausarbeitung befindlichen Fortschreibung des Nahverkehrsplans für den Landkreis Berchtesgadener Land vorgegeben. Für einen 30-Minuten-Takt dürfen auf einer eingleisigen Bahnstrecke die Kreuzungsbahnhöfe maximal 15 Minuten Fahrzeit auseinander liegen. Zwar wäre bei einer Beibehaltung der Systemkreuzung im Bahnhof Bad Reichenhall für einen 30-Minuten-Takt Richtung Berchtesgaden der bestehende Kreuzungsbahnhof Hallthurm theoretisch (knapp) ausreichend.

Bei Verspätung eines Zugs bestünde jedoch ohne einen Kreuzungsbahnhof Bayerisch Gmain keine Möglichkeit zu einer flexiblen Betriebsabwicklung (Kreuzungsverlegung), die eine „Fortpflanzung“ der Verspätung auf den Gegenzug verhindern würde. Im Interesse einer solchen betrieblichen Flexibilität hat man bei der Erneuerung der Strecke Freilassing – Bad Reichenhall im Sommer 2016 den Bahnhof Piding als solchen bestehen lassen und einen neuen Mittelbahnsteig errichtet, obwohl derzeit dort keine planmäßigen Zugkreuzungen mehr stattfinden. Ein weiterer Grund für die Beibehaltung des Bahnhofs Piding war die Vorsorge für eine allfällige Änderung des Fahrplangefüges dergestalt, dass wieder planmäßige Kreuzungen in Piding notwendig werden. In diesem Fall müsste bei einem 30-Minuten-Takt die nächste Kreuzungsmöglichkeit in Richtung Berchtesgaden in Bayerisch Gmain bestehen.

Wiedererrichtung Bayerisch Gmain als Kreuzungsbahnhof

So könnte der Bahnhof Bayerisch Gmain mit einem Mittelbahnsteig relativ einfach und kostengünstig wieder errichtet werden.

Deshalb muss jedenfalls als erster Schritt unbedingt die Erneuerung des Bahnsteigs in Bayerisch Gmain so geplant werden, dass der neue Bahnsteig ohne bauliche Änderung als Mittelbahnsteig eines künftig zweigleisigen Bahnhofs Bayerisch Gmain (wie im Bahnhof Piding nach dem Umbau 2016) verwendet werden kann. Alles andere wäre eine absolut kurzsichtige Planung. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Schienenpersonennahverkehr in Bayern plant und bestellt, verschließt sich derzeit einer solchen zukunftsgerichteten Planung.

Appell an die Staatsministerin zur Wiedererrichtung des zweiten Gleises im Bahnhof Bayerisch Gmain

Eine Änderung dieser Haltung kann nur auf politischem Wege erreicht werden. Die direkt gewählte Abgeordnete des Stimmkreises Berchtesgadener Land, Frau Staatsministerin Michaela Kaniber, wohnt in Bayerisch Gmain. Deshalb sollten wir sie dafür gewinnen, sich für das Vorhaben einzusetzen.

Überzeugen Sie die Frau Staatsministerin Kaniber davon, dass auch die Bevölkerung einen den Anforderungen eines attraktiven und zuverlässigen Schienenpersonennahverkehrs gerecht werdenden Bahnhof verlangt. Wenn Sie die Möglichkeit haben, die Frau Staatsministerin zu kontaktieren, nützen Sie diese.

Terminankündigung Informationsstand des Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel e.V. am 22. September 2020 von 16:00 bis 18:30 Uhr am Edeka-Parkplatz in Bayerisch Gmain

Kommen Sie zum Informationsstand des Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel e.V. am 22. September 2020 von 16:00 bis 18:30 Uhr am Edeka-Parkplatz in Bayerisch Gmain und informieren Sie sich über den notwendigen Ausbau des Bahnhofes Bayerisch Gmain.

Informationsstände des Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel e.V.