Die Modernisierung der slowakischen Zahnradbahnstrecke beginnt

26. Juli 2020, 12:00 Uhr von Richard Fuchs

Die slowakische Schmalspur-Zahnradbahnstrecke zwischen Štrba und Štrbské Pleso wurde am 5.7.2020 für ein siebenmonatiges Modernisierungsprogramm geschlossen, wobei sowohl die Strecke, als auch das rollende Material erneuert werden müssen.

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Vom Bahnhof Tschirm (Štrba) zum Tschirmer-See (Štrbské Pleso) in der Hohen Tatra

Ein Bericht von David Burroughs veröffentlicht 18. Juli 2020 in International Railway Journal
aus dem Englischen übersetzt von In-Motion.Me, deutsche Ortsnamen, sowie ein Bilderbogen von Richard Fuchs 2017 mit Zusatz-Informationen, auch zu Gemeinsamkeiten mit der Achenseebahn, ergänzt.

Die reine Zahnradbahnstrecke vom Bahnhof Štrba nach Štrbské Pleso, in die hochgradige Tourismusregion der Hohen Tatra ist auch Teil der Tatrabahn. Sie wurde zur Nordischen Schi-WM 1970 neu aufgebaut und wird nun grundlegend erneuert.

Die slowakische Schmalspur-Zahnradbahnstrecke zwischen Štrba und Štrbské Pleso wurde am 5. Juli 2020 für ein siebenmonatiges Modernisierungsprogramm geschlossen, wobei sowohl die Strecke, als auch das rollende Material erneuert werden müssen.

Bahnhof Štrba an der slowakischen Hauptbahn Košice/Kaschau – Bratislava/Pressburg

Der Bahnhof Štrba wurde für die Nordische Schi-Weltmeisterschaft 1970 prunkvoll, repräsentativ, ja fast mondän ausgebaut. Der Stolz der Tourismusregion "Hohe Tatra" ist nicht zu übersehen!

Die Meterspurlinie in der Hohen Tatra führt vom Bahnhof Štrba entlang des Korridors Košice - Žilina (der slowakischen Hauptbahn Košice/Kaschau – Žilina/Sillein - Bratislava/Pressburg) nach Štrbské Pleso, einer Wintersport- und Kurstadt auf 1.346 m Höhe. Der maximale Gradient entlang der Strecke beträgt 15% (150 Promille), was einen Zahnstangenbetrieb erforderlich macht.

Abfahrbereit aus dem "Marmorsaal" und Ausfahrt Richtung Tschirmer-See "Štrbské Pleso"

Die Strecke ist Teil der Schmalspur-Elektro-Tatra-Eisenbahn (TEŽ) der Hohen Tatra, die von den slowakischen Nationalbahnen (ŽSSK) betrieben wird und die einzige Strecke im Netz ist, die Zahnstangen mit Zahnradantrieben verwendet.

Gleich bei der Ausfahrt aus dem mondänen Bahnhof Štrba geht es im Bogen über eine große Brücke über die Bundesstraße und weiter durch den Wald nach Tatranský Lieskovec. Man kann übrigens direkt neben der Bahn wandern und die Bahn fotografieren.

Eine 4,75 km lange Trasse entlang der Strecke wurde erstmals 1896 eröffnet, 1932 jedoch eingestellt. Die Infrastruktur wurde in den 1940er Jahren abgebaut. Aufgrund der Nordischen Skiweltmeisterschaft im Jahr 1970 (14. bis 22. Februar 1970) und des zunehmenden Tourismus wurde die Strecke 1968 mit einem kurzen Abschnitt umgebaut, der von der ursprünglichen Strecke abweicht.

Von der einzigen Unterwegshaltestelle "Tatranský Lieskovec" geht es zuerst durch den Wald dann Richtung Tourismuszentrum "Štrbské Pleso", wo man die Hohe Tatra sozusagen "fußfrei" genießen kann.

Bei der Schweizer Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur (Schweiz) wurden fünf neue Zahnrad-Triebwagenzüge der Klasse 405 für den Betrieb auf der Strecke bestellt. Diese fünf Züge bestanden aus einer fest gekuppelten Einheit eines Triebwagens und eines Steuerwagens. Die Fahrzeuge ähneln den in der Schweiz verkehrenden Zügen, die u.a. für die Arth-Rigi-Bahn gebaut wurden.

Beim großzügig angelegten Bahnhof "Štrbské Pleso" in einer stolzen Tourismusregion treffen sich die Züge der Tschirmerbahn mit der Tatrabahn.

Die in der Schweiz gebauten Züge der Klasse 405 wurden inzwischen auf der Tschirmerbahn aus dem Verkehr gezogen und werden durch fünf neue Zahnrad-Triebwagenzüge von Stadler ersetzt, die im Oktober 2018 nach einem Ausschreibungsverfahren ausgewählt wurden. Stadler lieferte im Jahr 2000 15 elektrische Stadler-GTW-Züge der Klasse 425 an ŽSSK für den regulären Betrieb im TEŽ-Netz (Tatrabahn).

Der Regelvekehr auf der meterspurigen Tatrabahn von Poprad (Deutschendorf) über Starý Smokovec (Altschmecks) nach Štrbské Pleso (Tschirmersee) wird mit Stadler-GTW betrieben

Neubau-Fahrzeuge und Modernisierung der Gleise

Bei den neuen Zügen handelt es sich um elektrische Niederflur-GTW-Züge der neuen Generation, die sowohl auf der Zahnstangenstrecke, als auch auf den konventionellen TEŽ-Linien in der Hohen Tatra eingesetzt werden können.

Auch die Fahrzeuge der Tschirmerbahn werden im Bahnbetriebswerk in Poprad (Deutschendorf) gewartet. Bei der Überstellfahrt muss der Zahnradbahn-Wagen zwischen zwei Stadler-GTW gekuppelt werden, um das Fahrzeug, das sonst über das Zahnrad gebremst wird, auch auf der Adhäsionsstrecke bremsen zu können. (Fotos vom Depot angefragt)

Auf diese Weise können zukünftig durchgehende Züge über Štrbské Pleso hinaus, z.B. nach Starý Smokovec (Altschmecks) und nach Poprad (Deutschendorf) verkehren, was die Züge der Klasse 405 bisher nicht konnten. Die neuen Züge bieten 91 Sitzplätze und zwei Plätze für Rollstühle sowie einen multifunktionalen Raum für Fahrräder und Kinderwagen.

Der Blick in die Zukunft dieser Bahn wird spannend. So hätte auch die Achenseebahn moderniert und der Tourismus in der Region aufgewertet werden können, wenn es das Land Tirol nicht verhindert hätte!

Stadler Rail wird auch eine dieselelektrische Hybridlokomotive liefern, die im Winter zum Schneeräumen und für Bahnerhaltungsarbeiten eingesetzt werden wird. Die Lokomotive kann ferngesteuert bedient werden, während der Dieselmotor die Abgasnormen Euro IIIB erfüllt.

Chance Weichenkauf durch die Achenseebahn durch Finanzierungsboykott verbaut

Vergleiche mit der Achenseebahn:

Die Tschirmerbahn und die Achenseebahn sind, aus ihrer Entstehungsgeschichte "Schwesterbahnen". Sie verbanden die bauartgleichen Dampflokomotiven und die Waggons. Leider wurde die Tschirmer-Dampfeisenbahn 1932 eingestellt. Der Tourismus und dazu eine Nordische Schi-WM 1970 ließen die Bahn in der Hohen Tatra wieder auferstehen, allerdings als moderne Elektro-Zahnradbahn. Heute verbindet die beiden Bahnen, dass sie beide von einer Eisenbahn-Hauptstrecke ausgehen und zu einem See am Berg in einem hochwertigen Tourismus-Gebiet verkehren.

Der Unterschied ist nur, dass die Tschirmerbahn bereits in die zweite Modernisierungsphase geht, während der Achenseebahn, von der Tiroler Landespolitik, die Modernisierung verweigert wird, obwohl die voll betriebsfähigen Elektro-Fahrzeuge bereits, abbezahlt, vorhanden sind!

Die Achenseebahn AG trug sich, bis zuletzt, mit dem Gedanken, die gebrauchten, ziemlich komplizierten Zahnstangen-Weichen, von der Tschirmerbahn zu erwerben. Das System "Von Roll", das auf der Tschirmerbahn verwendet wird, ist voll kompatibel mit dem System "Riggenbach", das auf der Achenseebahn zur Anwendung kommt. So wären die gebrauchten Weichen bestens geeignet gewesen, auf der Achenseebahn, bei den neuen Ausweichen "Burgeck" und "Fischl", zum Einsatz zu kommen. Die fehlenden, weil vom Land Tirol entzogenen Infrastrukturmittel, verhinderten auch diese große Chance des Ankaufes der gebrauchten Weichen!

Richard Fuchs - Verein "Die Rote Elektrische" Salzburg 21.7.2020

Die ziemlich komplizierten Zahnstangenweichen aus dem System "Von Roll", die voll kompatibel zum System "Riggenbach" der Achenseebahn sind, wurden jetzt auf der Tschirmerbahn abgebaut und gehen vermutlich den Weg des alten Eisens. Für die Achenseebahn wären sie eine wertvolle Hilfe für Ausweichen auf der Steilstrecke in Burgeck und bei Fischl gewesen. Die kurzsichtige Landespolitik hatte dies leider verhindert!

Original International Railway Journal von David Burroughs 18. Juli 2020:

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