Achenseebahn stirbt wegen des Versagens des Landes Tirol, trotz schwarzer Zahlen!

11. Mai 2020, 00:10 Uhr von Richard Fuchs

Die Landespolitik in Tirol dürfte nicht einmal die einfachsten wirtschaftlichen Grundregeln verstehen. Sonst wäre der Eingriff des Landes, der das Wirtschaftsunternehmen Achenseebahn in den Ruin treibt, völlig unmöglich!

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Fehler des Landes ruiniert die Bahn

Es hat den Anschein, dass in Tirol nicht einmal die einfachsten wirtschaftlichen Grundregeln verstanden werden, zumindest, was die Politik betrifft. Sonst wäre ein im Grunde simpler Sachverhalt, nämlich der Eingriff des Landes Tirol in wirtschaftliche Abläufe, der das Wirtschaftsunternehmen Achenseebahn AG in den Ruin treibt, nicht nur unverständlich, sondern ein absolutes Tabu. Eisenbahnen, egal ob Bundesbahnen oder Privatbahnen, können den Bau und die Instandhaltung des eigenen Verkehrsweges niemals erwirtschaften, was übrigens auch für den Straßenbau gilt.

Ungeachtet der Zerstörungsstrategie des Landes Tirol, in Richtung Konkurs, bereitet sich die Mannschaft der Achenseebahn auf den möglichen Saisonbeginn vor. Ein historischer Waggon erstrahlt im neuen "alten" grünen Erscheinungsbild.

MIP-Mittel ermöglichen den Privatbahnen die Instandhaltung des Verkehrsweges

Aus gutem Grunde erhalten die Privatbahnen in Österreich vom Bund und den jeweiligen Ländern, aus dem sogenannten „Mittelfristigen Investitionsprogramm“ (MIP) für die Bahnerhaltung, in Fünfjahres-Schritten, diese Infrastrukturgelder. Wenn ein Unternehmen, wie die Achenseebahn, mit diesen Geldern rechnet und dann das Land plötzlich einseitig diese Mittel streicht, muss das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, auch wenn es im operativen Bereich sogar schwarze Zahlen schreibt, obwohl sogar zusätzlich noch die Versäumnisse der früheren Geschäftsführer teilweise aufgefangen werden konnten.

Sowohl elektrische Nahverkehrstriebwagen, als auch die Weichen zur Erneuerung der Bahnhöfe Jenbach und Eben stehen für die Zukunft der Achenseebahn bereit. Das Land will leider beides nicht und treibt unbeirrt und beratungsresistent den Konkurs voran.

Mit der Zeit wirkt sich das Entziehen der zustehenden öffentlichen Finanzmittel, genauso wie die 130 Jahre alten Schienenanlagen, die Jahrzehnte nicht erneuert wurden, lebensbedrohlich für das Unternehmen Achenseebahn aus. Dieses Entziehen der MIP-Mittel durch das Land Tirol, die diese Gelder zweckentfremdet den beiden anderen Tiroler Privatbahnen (Stubaitalbahn und Zillertalbahn) zugeschoben hat, treibt das Unternehmen Achenseebahn AG wissentlich, bewusst und ganz gezielt in den Konkurs! Damit ist völlig klar, dass dem Unternehmen Achenseebahn AG jegliche Möglichkeit entzogen wird, eine wirtschaftliche Überlebensstrategie zu entwickeln.

In Eben liegen ebenfalls fabriksneue und bezahlte Weichen bereit und warten auf den Einbau. Die bewusste Streichung der MIP-Mittel durch das Land verhindert gezielt die Erneuerung von 110 Jahre alten Gleisen, wie man auf den Fotos sieht!

Vorstand Fuchshuber in der Rolle der Kassandra!

Der damalige Vorstand der Achenseebahn Mag. Georg Fuchshuber erklärte in einer Publikumsveranstaltung der Tiroler Tageszeitung am 19.2.2019 in Rotholz/Zillertal die Sachverhalte. Fanatisierte krakelende Bahngegner und beratungsresistente Politiker haben dort leider nicht zugehört.

Was hier passiert, ist wie die Parabel über den Marathonläufer, dem man bösartig die Füße zusammenbindet und ihn gleichzeitig verhöhnt, dass er gar nicht laufen kann. Der Tiroler Landespolitik dürfte überhaupt nicht bewußt sein, dass die gezielt angestrebte Zerstörung der Achenseebahn in der gesamten Tourismusregion Achensee mittelfristig ein vermutlich irreparabler Schaden zugefügt wird. Die bekannte Geschichte in der griechischen Antike von der Seherin „Kassandra“, die mit dem Trojanischen Pferd den Untergang Trojas voraussagte, hat verblüffende Parallelen zum Kampf des vormaligen Vorstands Fuchshuber gegen den Entzug der MIP-Mittel und den daraus resultierenden Konsequenzen Richtung „Zerstörung der Achenseebahn“. Im Gegensatz zur Kassandra hat Fuchshuber zumindest einen politischen Unterstützer in der Person des Grünen Nationalratsabgeordneten Weratschig, der in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung, wie in diesem Zeitungsausschnitt nachzulesen ist, folgendes klarstellt:

Leserbrief des vormaligen Vorstandes Mag. Georg Fuchshuber zum TT Artikel vom 14.4.2020: „Finanzspritze hilft nur auf kurze Zeit“

Will man nicht verstehen, dass die Achenseebahn als einzige Regionalbahn Österreichs zwischen 2014 und 2018 Gewinne ohne Zuschüsse für den Fahrbetrieb zwischen € 6.400,-- und € 47.600,-- erwirtschaftet hat und lediglich seit 2015 Geldmittel für die Infrastruktur von € 3,1 Mio. entzogen wurden, die die öffentliche Hand seit den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts an alle Regionalbahnen in Rahmen des PrivatbahnenG leistet?

Die Achenseebahn braucht keine „Finanzspritze“, sondern in Gleichbehandlung zu allen anderen Bahnen die in 5 Jahresschritten vergebene Infrastrukturmittel, damit die Gleisanlagen erhalten und erneuert werden können. Es ist ein Glück für das Land Tirol und die Gemeinden der Achenseebahn, ein Bahnunternehmen vorzufinden, dass zur Abdeckung der Kosten für den Fahrbetrieb nicht auf der Tasche der öffentlichen Hand liegt und diese Situation einzigartig ist. Es ist unverständlich, warum ein Insolvenzverfahren laufen muss, dass sofort beendet ist, wenn die Achenseebahn ausreichende Infrastrukturmittel erhält. Es braucht dazu keine „neuen“ Eigentümer, denn die Derzeitigen haben seit 2010 ein schwer defizitäres Unternehmen saniert und in die schwarzen Zahlen geführt. Bis zu 130 Jahre alte Gleise müssen ausgetauscht werden, um einen Wertschöpfungsbeitrag von ca. € 8 Mio. p.a. für die Region zu erhalten.

1889 hat die Achenseebahn AG den Tourismus ins Achental gebracht und der Schifffahrt ausreichend Fahrgäste zugeführt, 2020 sollte man darauf nicht verzichten.

Mag. Georg Fuchshuber, 6252 Breitenbach am Inn, 14.4.2020

Würde die Tiroler Landespolitik ihrer Verpflichtung nachkommen und der Achenseebahn die MIP-Mittel zur Verfügung stellen, die der Bahn zustehen, wäre eine moderne Achenseebahn, zusammen mit den historischen Dampfzügen möglich. Das würde der Region Achensee eine nachhaltige Zukunft geben, in dem auch die Bürger der Region eine neue Mobilität erleben könnten und zwar ohne Stau auf der Straße.

Die Achenseebahn darf nicht sterben! Unterschreiben Sie bitte!