Das Land Tirol hat sein Ziel erreicht, die Achenseebahn ist am Ende!

11. März 2020, 16:30 Uhr von Richard Fuchs

Nun ist die angestrebte Zerstörung der Achenseebahn vollbracht! Die Politik in Tirol hat es endlich geschafft, nach über fünf Jahren Entzug der Bundesmittel aus dem „Mittelfristige Investitionsprogramm“, die Bahn zu ruinieren.

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Eine kritische Betrachtung eines Zeitzeugens

Das Beschmieren der modernen Elektrotriebwagen von der Appenzellerbahn mit Graffiti ist ein fast symbolhaftes Zeichen, wie auch das Land Tirol seine Wertschätzung zur Achenseebahn zeigt. Modernisierung und Elektromobilität sind für das Land, selbst in Zeiten des Klimawandels, kein lohnenwertes Ziel.

Verhinderung der Bundesmittel aus dem MIP durch das Land Tirol

Nun ist die angestrebte Zerstörung der Achenseebahn vollbracht! Die Politik in Tirol hat es endlich geschafft, nach über fünf Jahren Entzug der Bundesmittel aus dem „Mittelfristige Investitionsprogramm für Privatbahnen“ MIP, die Bahn an den Rand des Ruins zu treiben. Keine Bahn in Europa ist in der Lage, die Infrastrukturkosten, wie Streckenerneuerung, Gleisneulage etc. aus dem Betrieb selbst zu erwirtschaften. Dafür gibt es in Österreich das „Mittelfristige Investitionsprogramm“ für Privatbahnen, wie die Achenseebahn eine ist, vom Bund!

Jahrzehntelanger Bahnerhaltungsrückstand führt zu Investitionsstau

Dieser Bundeszuschuss für die Achenseebahn wurde vom Land Tirol einseitig abbestellt. Versprochene rund 3 Millionen Euro aus dem MIP wurden 2014 damit der Achenseebahn von 2015-2019 entzogen und für 2020-2024 gleich gar nicht mehr weiter beantragt. Die Achenseebahn ist wohl die einzige Bahn in Österreich, die im Betrieb schwarze Zahlen erwirtschaftet. Jahrzehntelange Versäumnisse des früheren Vorstands in der Bahnerhaltung sind auch bei positivem Wirtschaften nicht ohne Bundesmittel, dem MIP, zu korrigieren! Aktueller Investitionsbedarf liegt bei 18 Mio. Euro. Dieser Betrag beinhaltet die komplette Erneuerung der mittlerweile 131 Jahre alten Schieneninfrastruktur. Hätten die früheren Vorstände laufend in die Infrastruktur investiert, wäre eine vollständige Erneuerung nicht in diesem Umfang notwendig.

Um Grundwasser und Regenwasser vom Bahndamm fernzuhalten gibt es Dammdurchlässe, die durch Vernachlässigung über Jahrzehnte verschüttet waren. In der Steilstrecke wurden diese freigelegt. In den 130 Jahren des Bestandes der Achenseebahn wurde 2018 erstmals ein Bahnerhaltungsfahrzeug, in Form eines Traktors, beschafft.

Im total tourismusübersättigten Tirol ist es offensichtlich egal, wenn das Land Tirol ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen über die Klinge springen lässt. Da müssen bei allen anderen Betrieben, die von Land und Bund Fördermittel erhalten, die Alarmglocken läuten, dass auch sie jederzeit ruiniert werden können, wenn es sich ein Landesregierungsmitglied gerade einbildet. Wenn es sich aber gleich um zwei solcher „Landesvertreter“ handelt, die ihre Aversionen gegen Bahnen emotionsgeladen und faktenbefreit ausleben wollen, kann das Unternehmen gleich zusperren.

Das touristische Potential der Achenseebahn für die Region Achensee, Rofan, Karwendel ist gewaltig. Sowohl die Schifffahrt, als auch die Rofan-Seilbahn profitieren von der Zahnradbahn als Touristenzubringer. Das Potential der Bevölkerung mittels Elektro-Nahverkehr liegt noch brach. Der regelmäßige Stau auf der Achentalstraße ist ein klares Indiz dafür!

Das Land Tirol lässt die Achenseebahn an der ausgestreckten Hand verhungern

Im Februar 2019 hat der Tiroler Landtag eine „Überbrückung“ für die Achenseebahn, von 1,2 Mio. Euro, beschlossen, die teilweise zu spät, wenn überhaupt zur Gänze, gezahlt wurden. Das Land Tirol hat erschreckend aufgezeigt, nicht einmal eine gewisse „Handschlagsqualität“ bei ihren Versprechungen zu haben! In demokratischen Ländern würden solche Politiker, die ein gewisses Unrechtsbewußtsein haben, zurücktreten. In Tirol ist das nicht zu erwarten.

Selbst das Aufhängen dieses Transparentes gestaltet sich zum Problem. Einerseits wieherte der Amtsschimmel bei der Behördengenehmigung. Fanatisierte Bahngegner versuchten sogar, das Transparent in Fischl anzuzünden. Das feuerfeste Material hielt der Attacke stand.

Danach wird der Tourismus zum Achensee zwar bereits massiv zusammengebrochen sein. Ob die Achensee-Schifffahrt den Wegfall der Hälfte ihrer Kunden wirtschaftlich verkraftet, wird sich weisen. Vermutlich wird im Domino-Effekt auch dieser Betrieb und zusätzlich die Rofan-Seilbahn fallen. Hauptsache zwei Spitzenpolitiker mit Eisenbahn-Phobie haben die Achenseebahn zerstört und somit ihr Ego befriedigt. Die Bevölkerung am Achensee, bleibt im Stau stecken, die Alternative zum Stau, die Elektrotriebwagen, verrosten und die Zukunft der Region geht in eine traurige ungewisse Richtung.

Eine verschwundene Bahn verdrängt die Region aus dem weltweiten Bewußtsein

Die weltberühmte Ischlerbahn, offiziell SKGLB Salzkammergutlokalbahn, wurde 1957 eingestellt und das hat die Erreichbarkeit des Tourismusgebietes Salzkammergut schwer beeinträchtigt, so dass das heute noch ein Problem ist. Die Einstellung dieser Bahn gilt als der schlimmste verkehrspolitische Fehler in Österreich.

Wie 1957 bei der Ischlerbahn wird dann das böse Erwachen in der Region kommen und alle werden der Achenseebahn nachtrauern! Die letzte Hoffnung ist, dass im politischen Leben doch noch Vernunft und Umdenken einkehrt! Jetzt ist noch die Chance. Die Achenseebahn und die Region haben Zukunft, wenn man sie ihnen gibt! Davon bin ich überzeugt.

Richard Fuchs
Eisenbahnbefürworter und Zeitzeuge
Salzburg 11. März 2020

Moderner umweltfreundlicher elektrischer Schienennahverkehr von Jenbach bis Pertisau am Achensee ist vorbereitet und als Alternative zum Stau auf der Achentalstraße längst notwendig. Es fehlt nur noch die politische Einsicht dazu!

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